Beim Spaziergang treffen unterschiedliche Menschen und Bedürfnisse aufeinander: Hundehalter, Nichthundehalter, Kinder, Jogger, Radfahrer, Spaziergänger und natürlich Hunde mit ganz unterschiedlichen Charakteren.
Eine gute Hundenetikette bedeutet deshalb mehr als nur einen höflichen Umgang zwischen Hundehaltern. Sie bedeutet gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis dafür, dass nicht jeder Mensch Hunde mag, nicht jeder Hund Kontakt möchte und nicht jede Begegnung vermieden werden kann.
Gerade in Städten und stark frequentierten Gebieten wie Krefeld und Umgebung ist es wichtig, dass alle Beteiligten ihren Teil zu einem entspannten Miteinander beitragen.
Do’s für Hundehalter:
Abstand respektieren
Nicht jeder Hund möchte Kontakt zu anderen Hunden. Ebenso möchte nicht jeder Mensch von einem Hund begrüßt oder beschnuppert werden.
Geben Sie anderen Mensch-Hund-Teams ausreichend Raum und fragen Sie, bevor Sie Ihren Hund Kontakt aufnehmen lassen.
„Darf ich?“ ist besser als „Der tut nichts.“
Radfahrer und Jogger rechtzeitig passieren lassen
Radfahrer und Jogger können für Hunde interessant, aufregend oder sogar beängstigend sein.
Wenn ein Radfahrer oder Jogger entgegenkommt:
- Hund möglichst auf die abgewandte Seite nehmen
- Leine kurz genug, um Kontrolle zu gewährleisten, aber nicht unnötig straff halten
- selbst ruhig bleiben
- ausreichend Platz schaffen
- bei Bedarf kurz stehen bleiben oder an den Wegesrand gehen
Besonders bei ängstlichen oder reaktiven Hunden kann es sinnvoll sein, frühzeitig auszuweichen.
Auf schmalen Wegen Platz machen
Auf einem schmalen Weg müssen nicht zwei Mensch-Hund-Teams, ein Radfahrer und ein Jogger gleichzeitig um jeden Zentimeter kämpfen.
Wer frühzeitig erkennt, dass eine Begegnung eng wird, kann durch einen kurzen Schritt zur Seite oder einen Wechsel an den Wegesrand viel Stress vermeiden.
Rücksichtnahme ist keine Niederlage – sie verhindert Konflikte.
Körpersprache des eigenen Hundes beobachten
Ein Hund, der sich wegdreht, stehen bleibt, ausweicht, stark hechelt, sich duckt, fixiert oder bellt, kann bereits erheblichen Stress erleben.
Je früher der Halter reagiert, desto einfacher lässt sich eine Situation entschärfen.
Gerade im Angsthundetraining ist das rechtzeitige Erkennen von Stress ein wichtiger Bestandteil des Trainings.
Hinterlassenschaften beseitigen
Hundekot gehört nicht auf Gehwege, Spielplätze, Wiesen oder private Grundstücke.
Die Hinterlassenschaften des eigenen Hundes zu beseitigen, ist eine der einfachsten und wichtigsten Formen der Rücksichtnahme.
Do’s für Radfahrer und Jogger
Rücksichtnahme funktioniert selbstverständlich auch in die andere Richtung.
Ein Hund ist kein Hindernis, das grundsätzlich „funktionieren“ muss.
Wenn ein Hund offensichtlich unsicher ist oder sein Halter ihn zur Seite nimmt, kann es helfen:
- Geschwindigkeit etwas zu reduzieren
- ausreichend Abstand zu halten
- nicht unmittelbar hinter dem Hund vorbeizufahren
- gegebenenfalls kurz auf sich aufmerksam zu machen
- dem Hundehalter Zeit zu geben, seinen Hund sicher zu positionieren
Besonders bei einem ängstlichen Hund kann ein plötzliches, enges Vorbeifahren eine erhebliche Stressreaktion auslösen.
Ein kurzer Moment Rücksicht kann eine Begegnung für alle Beteiligten deutlich entspannter machen.
Do’s für Nichthundehalter
Nicht jeder Mensch muss Hunde mögen oder sich mit Hunden auskennen.
Das ist völlig in Ordnung.
Trotzdem können einige einfache Regeln helfen:
- Fremde Hunde nicht ungefragt anfassen.
- Hunde nicht anstarren oder bedrängen.
- Kinder nicht unkontrolliert auf fremde Hunde zulaufen lassen.
- Einen Hund nicht ungefragt füttern.
- Abstand respektieren, wenn ein Hundehalter seinen Hund aus einer Situation herausführt.
- Ein „Bitte etwas Abstand“ nicht persönlich nehmen.
Wer Angst vor Hunden hat, darf diese Angst deutlich äußern. Ein verantwortungsvoller Hundehalter sollte das respektieren und seinen Hund entsprechend führen.
Dont’s für Hundehalter
„Der tut nichts!“
Dieser Satz hilft dem Gegenüber selten.
Denn auch wenn der eigene Hund freundlich ist, kann der andere Mensch Angst haben oder der andere Hund keinen Kontakt wünschen.
Hunde ungefragt Kontakt aufnehmen lassen
Nicht jeder Hund möchte spielen, schnüffeln oder „Hallo sagen“.
Kontakt sollte möglichst freiwillig und situationsgerecht erfolgen.
Radfahrer und Jogger behindern
Ein Hund sollte nicht unkontrolliert über den gesamten Weg laufen und andere Verkehrsteilnehmer zum Ausweichen zwingen.
Warnsignale ignorieren
Knurren, Ausweichen, Erstarren, Bellen oder starkes Hecheln sollten nicht einfach als „Ungehorsam“ abgetan werden.
Diese Signale liefern wichtige Informationen über den emotionalen Zustand des Hundes.
Hundekot liegen lassen
Es sorgt nicht nur für Ärger, sondern trägt auch dazu bei, dass Hundehalter insgesamt negativ wahrgenommen werden.
Andere Menschen für ihre Angst belächeln
„Der macht doch nichts“ löst keine Hundeangst.
Angst lässt sich nicht durch Argumente abschalten. Abstand und Rücksicht helfen wesentlich mehr.
Don’ts für Nichthundehalter, Radfahrer und Jogger
Auch Rücksichtnahme ist keine Einbahnstraße.
Hunde nicht absichtlich provozieren
Kein unnötiges Rufen, Pfeifen, Nachahmen von Hundegeräuschen oder provozierendes Verhalten.
Nicht ungefragt anfassen
Auch ein freundlicher Hund muss nicht von jedem Menschen gestreichelt werden wollen.
Nicht einfach durch eine Hund-Mensch-Gruppe hindurchlaufen oder -fahren
Wenn genügend Platz vorhanden ist, sollte dieser genutzt werden.
Nicht davon ausgehen, dass jeder Hund freundlich reagieren muss
Ein Hund kann ängstlich, krank, alt, im Training oder einfach nicht kontaktfreudig sein.
Die gelbe Schleife: Ein wichtiges Signal
Manche Hunde tragen eine gelbe Schleife oder ein gelbes Signal an Leine oder Geschirr.
Sie kann darauf hinweisen, dass der Hund mehr Abstand benötigt – beispielsweise weil er ängstlich, unsicher, krank oder in einem Training ist.
Die gelbe Schleife bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund aggressiv ist.
Sie bedeutet vor allem:
Bitte Abstand halten und keinen ungefragten Kontakt herstellen.
Besonders wichtig bei Angsthunden
Für einen ängstlichen Hund kann eine alltägliche Begegnung bereits eine große Herausforderung sein.
Ein entgegenkommender Hund, ein plötzlich vorbeifahrendes Fahrrad, ein Jogger oder ein fremder Mensch können Stress auslösen.
Deshalb ist es für den Halter wichtig, Situationen frühzeitig zu erkennen und seinem Hund ausreichend Abstand zu ermöglichen.
Genauso wichtig ist es, dass das Umfeld versteht:
Ein Hund, der ausweicht, braucht keinen zusätzlichen Druck – sondern Raum.
Ein Halter, der mit seinem Hund einen Bogen läuft, die Straßenseite wechselt oder kurz stehen bleibt, versucht nicht, „komisch“ zu sein. Er übernimmt Verantwortung für seinen Hund und versucht möglicherweise gerade, eine stressreiche Situation zu verhindern.
Hundenetikette funktioniert nur gemeinsam
Ein harmonisches Miteinander entsteht nicht dadurch, dass eine Seite immer nachgibt.
Hundehalter sollten ihre Hunde verantwortungsvoll führen.
Nichthundehalter sollten die Grenzen von Hund und Halter respektieren.
Radfahrer und Jogger sollten ausreichend Abstand ermöglichen.
Und alle Beteiligten sollten die Bedürfnisse des jeweils anderen berücksichtigen.
Dabei geht es nicht um Perfektion.
Es geht um kleine Gesten:
Einen Schritt zur Seite.
Etwas langsamer werden.
Kurz warten.
Abstand halten.
Nachfragen.
Kommunizieren.
Diese kleinen Gesten können einen großen Unterschied machen.
Hundenetikette in Krefeld und Umgebung
Gerade in dicht besiedelten Gebieten wie Krefeld treffen täglich viele unterschiedliche Interessen aufeinander. Ein respektvoller Umgang macht Spaziergänge für Hundehalter und Nichthundehalter angenehmer und kann unnötige Konflikte vermeiden.
Als Hundetrainer mit Schwerpunkt auf Angsthunden und unsicheren Hunden ist mir besonders wichtig, dass Hunde nicht einfach funktionieren müssen. Sie sollen lernen, mit ihrer Umwelt sicherer umzugehen – und gleichzeitig sollten wir ihnen und ihren Menschen die Möglichkeit geben, schwierige Situationen in Ruhe zu bewältigen.
Mein Grundsatz:
Abstand ist Respekt.
Kontakt ist freiwillig.
Körpersprache ist Kommunikation.
Rücksicht funktioniert in beide Richtungen.
Und ein harmonisches Miteinander beginnt damit, die Grenzen des anderen zu respektieren.
